Teil 3 –> Behandlung und persönliche Erfahrung
Nachdem ich schon einiges über das Phänomen des Hochwuchses sowie Allgemeines zur Behandlung erzählt habe, möchte ich nun die praktischen Seiten der Behandlung erläutern.
Nachdem man ausgemessen und für überdurchschnittlich groß befunden wurde, kann man sich für eine Hochwuchstherapie entscheiden. Hierbei geht es vorrangig um das Wohl des Kindes, weshalb die Behandlung auch nicht ohne dessen Einwilligung nur auf Wunsch der Eltern druchgeführt werden kann. Sobald die Einverständniserklärung unterzeichnet ist, kann die Behandlung beginnen. Ersteinmal wird man auf die Verträglichkeit der Medikamente getestet. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich gut eine Stunde am Tropf gelegen und die, für die Behandlung benögtigten Hormone, intravenös eingeflößt bekommen. Da mein Körper auf die Hormone nicht auffällig reagierte, wurde ich quasi “zur Behandlung freigegeben”. Von diesem Tag an, kann die Behandlung beginnen. Für Mädchen heißt das, dass sie jeden Tag der Woche über gut und gerne 1 1/2 Jahre Tabletten einnehmen müssen. Hierbei handelt es sich um Hormone, welche das Wachstum beeinflussen, quasi eine extrem starke Version der Pille. Jungen bekommen einmal im Monat eine Sprite mit Hormonen gesetzt. Das Ergebnis ist trotz unterschiedlicher Behandlung das selbe: Man wird nicht so groß wie man ohne die Behandlung geworden wäre! Dies ist dadurch möglich, dass durch die Hormone die Pubertät verfrüht eingeführt wird. Der menschliche Körper wächst, bis die Pubertät abgeschlossen ist. Durch die Verfrühte einführung in die Pubertät, ist diese auch ehr abgeschlossen als normal und man hört daher auch ehr auf zu wachsen als im Normalfall üblich. Bei Mädchen können ein später Eintritt in die Pubertät oder ein schon früh eintretender, auffallender Größenunterschied zu Gleichalterigen Anzeichen für eventuellen Hochwuchs.
Ich bin erst sehr spät mit der Behandlung angefangen, da keiner, weder ich noch meine Familie, damit gerechnet hätte, dass ich so groß werden würde. Als mein Hausartzt mich darauf ansprach, und mir vorschlug mich ausmessen zu lassen, war ich bereits über 1,80m groß. Wir holten uns einen Termin in der Uniklinik Münster, wo dann mein linker Handrücken geröntget wurde. Ergebnis: Die Ärtze prognostizierten, dass ich mindestens 1, 98m groß werden würde. Angesetzte Maximalgröße war 2,05m. Das hat mich dann doch ein bisschen geschockt. Ich hatte generell kein Problem damit groß zu sein, habe es sogar ein bisschen genossen “über den anderen zu stehen”
, doch für mich persönlich war die Höchstgrenze die noch im grünen Bereich war, immer 1,95m gewesen. Da ich diese ja mit großer Sicherheit überschreiten würde, entschloss ich mich zur Behandlung. Eine Bedingung die die Behandlung mit sich bringt, ist Abstinenz in Sachen Alkohol, da dieser unter Umständen eine Wechselwirkung bei den Tabletten hervorrufen kann. Für mich war das kein Problem, da ich nie ein großer Freund von Alkohol gewesen bin. Allerdings machen sich auch einige körperliche Auswirkungen bemerkbar: Eine davon ist, dass die meisten Patienten während der Behandlung stark an Gewicht zunehmen. Ich hab 14 kg zugenommen, nicht das mir das geschadet hätte, doch man hat es schon drastisch bemerkt. Zur beruhigung lässt sich aber sagen, dass man einen Teil dieser Pfunde nach Abschluss der Behandlung wieder verliert. Ich habe 7-8 kg wieder verloren und habe jetzt gesundes Normalgewicht. Ein weiterer Vorteil, außer das das Wachstum gestoppt wird, ist, dass bei Mädchen die Regel sehr gleichmäßig und schmerzfrei wird. Bei Jungs habe ich leider keine Ahnung was für weitere Wirkungen die Hormone haben.
Alles in allem lässt sich sagen, dass die meisten die Behandlung gut weg stecken und man keine bleibenden Schäden davon tragen kann. Wer also darüber nachdenkt sich stoppen zu lassen sollte keine Angst haben, sondern sich erst einmal von seinem Arzt beraten lassen, ob es überhaupt nötig ist, und dann weitersehen. Ich persönlich kann nur positives berichten und wünsche allen die über eine Behandlung nachdenken viel Erfolg.
Nachträglich hinzugefügt: Soweit ich weiß, wächst man normal weiter wie vor der Therapie, wenn man die Behandlung vorzeitig abbricht.
